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Topic       : Ausgabe Juni/Juli '95
Author      : Jörg Schmela @ WI2
Version     : 6+7/95
Subject     : ATOS Diskettenmagazine
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HCP-Version : 3
Compiled on : Atari
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View Ref-FileDie Musik-Fabrik - TrakCom                                ATOS 6/7'95

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Die Musik-Fabrik Am Anfang war der Falcon Kaum war der Falcon 030 käuflich zu erwerben, schossen die Sound-Programme wie Kresse aus dem Boden. Dank neuer Funktionen im Betriebssystem war es nun anscheinend jedem möglich, in kürzester Zeit einen Harddiskrecorder zu entwickeln. Die meisten dieser Programme sind inzwischen in der Versenkung verschwunden, dennoch besteht der größte Teil der heute auf dem Falcon erhältlichen Sound-Programme aus Harddiskrecordern. Mit solcher Software kann man jedoch nicht sehr kreativ arbeiten. Grob gesagt erlauben es Harddiskrecorder, Klänge aufnehmen und zu einem beliebigen Zeitpunkt wiedergeben - und das war's schon. Zwar besteht die Möglichkeit, diese Klänge mit einem Echo zu versehen, bestimmte Frequenzen herauszufiltern und so weiter, aber was bringt das konkret? - Richtig: Fast Nichts. Natürlich steht es jedem frei, sich Monster-Programme wie Cubase Audio zuzulegen, die fast alle Möglichkeiten bieten, die man sich vorstellen kann. Aber das ist etwas teuer für den Gelegenheitsmusiker, zudem braucht man dazu einen Haufen Speicher, hochqualitative Festplatten und am besten einen Synthesizer. - Früher, auf dem ollen ST, da war das alles noch viel einfacher. Zum Beispiel gab es da die sogenannten Soundtracker. Diese Programme arbeiteten mit vier Kanälen, auf denen man digitalisierte Instrumente abspielen konnte. Leider ist die Klagqualität der Soundtracker nicht besonders überzeugend. Die Instrumente dürfen lediglich mit 7,5 kHz aufgenommen werden und nicht länger als 32000 Bytes sein, vier Kanäle sind zudem nicht gerade viel. Hinzu kommt, daß diese vier Kanäle unglaublich ungünstig im Stereoraum verteilt sind: Zwei links, zwei rechts, über Kopfhörer eine Qual. Dennoch ist das einfache aber geniale Konzept der Soundtracker richtungsweisend. So wurden diese bald auch auf dem Falcon angewendet. Da die Soundtracker meistens von Demoprogrammierern benutzt werden, wurde bei der Falcon-Portierung mehr auf die verbrauchte Rechenzeit denn auf die Klangqualität geachtet. Das heißt: Die Soundtracker klingen nur wenig besser als anno dazumal, da die Instrumente und Kanäle weiterhin den bekannten Beschränkungen unterliegen. Da macht sich Frust in des LoCost-Musikers Herzen breit. Wozu hat man den einen Falcon gekauft? Etwa um einen Kassettenreorder zu emulieren? Oder um Soundtracker-MOD-Files abzuspielen? Dann hätte es auch ein Amiga getan. Im Jahre Neunzehnhundertdreiundneunzig beschloß Bernhard K. ... Doch eines Tages, auf der proTOS in Ulm, drang eine glasklare Reggae-Version der Jonny-Walker-Werbemelodie in mein Ohr. Ein neues Harddiskrecording-Programm ahnend begab ich mich zum COMPO-Stand ... Doch entgegen meinen Erwartungen wurde dort ein soundtrackerähnliches, in GEM eingebundenes Programm namens TrakCom präsentiert. Das ist schon sehr lange her. Aufgrund von beknackter Werbung seitens COMPO ("TrakCom - Das Klavier für Ihren Falcon." - Was soll denn das sein?!), einem verspäteten und etwas lieblosen Test in der ST-Computer und vielleicht auch des ziemlich schlechten Handbuches blieb dieses Programm zu unrecht unbekannt und unbenutzt. Dabei kann man damit ohne viel Aufwand in kurzer Zeit verblüffende Ergebnisse erzielen. Musik auf dem Lochstreifen Zuerst möchte ich das an die Soundtracker angelehnte Konzept von TrakCom vorstellen. Nach dem Start des Programms fallen dem Anwender zunächst eine große Menge Striche ins Auge.
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Hierbei handelt es sich um den Sequenzer. Zu Beginn stehen vier Kanäle zur Verfügung, sie unterteilen den Sequenzer in Spalten. Der zeitliche Ablauf unterteilt den Sequenzer in Zeilen. An jeder Stelle, an der man jetzt einen Strich sieht, kann später ein Sample plaziert werden. So ein Sample will natürlich geladen werden. Zum Aufnehmen von Klängen sind Harddiskrecorder ja bestens geeignet, also klaut man sich von irgend einem Tonträger zum Beispiel eine Baßtrommel, eine Snare und ein Becken. Diese werden nun als einzelne Samples abgespeichert und mit TrakCom geladen. Jedem Sample wird dabei eine Nummer zugewiesen.
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Um ein Instrument auf verschiedenen Tonhöhen abzuspielen, wird bei TrakCom nur ein Sample dieses Intrumentes gebraucht. Soll das das Instrument nun auf einer anderen Tonhöhe erklingen, wird der Sample schneller oder langsamer abgespielt als er aufgenommen wurde. Natürlich steht es dem Komponisten dennoch frei, zum Beispiel aus Gründen der Klangqualität einzeln aufgenommene Tonhöhen einzusetzen. Sobald das Lied abgespielt wird, beginnt TrakCom damit, die Zeilen des Sequenzers auszulesen. Wurde die Einstellung der Standard-Kanalanzahl nicht verändert, liest TrakCom also die oberste Zeile der vier Kanäle aus. Wenn dort irgendwo eine Samplenummer stehen sollte, wird dieser Sample gestartet. Dann kommen nacheinander alle anderen Zeilen an die Reihe. Mit welcher Geschwindigkeit das geschieht, ist natürlich regelbar. Es liegt am Komponisten, sich die Linien sinnvoll aufzuteilen. Noten versus Tracker Eine "klassische" Note hat mehrere Attribute: Die Länge ist genauso festgelegt wie die Tonhöhe und eventuell auch die Lautstärke. In dem Sequenzer verhält sich die Sache geringfügig anders. Wenn auf einem Kanal ein Ton angeschlagen wurde, ertönt dieser so lange, bis der Sample zuende ist, auf dem Kanal ein anderer Sample gestartet wird, oder der Ton mittels des NULL-Samples abgebrochen wird. Die Tonhöhe steht im Klartext hinter der Nummer des Samples. Die verschiedenen Tonhöhen sind dabei auf die Tastatur gelegt, ähnlich wie bei einem Klavier. Die Taste "<" ist C1, "y" ist D1, "x" ist E1 und so weiter. Der gerade einzugebende Sample wird mittels Maus oder Tastenkürzel aus der Sample-Liste ausgesucht. Also wähle man beispielsweise die Baßtrommel. Fast wie in einer Textverarbeitung wird bei TrakCom der Cursor mit den Pfeiltasten in Verbindung mit Control und Shift bewegt. Steht er an der gewünschten Stelle, drückt man zum Beispiel "q" für C1, und schon erscheint die Baßtrommel im Sequenzer. Das wiederholt man nun mit allen geladenen Instrumenten an passenden Stellen, und schon hat man einen einfachen Rhythmus gebastelt.
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1) Hier nummeriert TrakCom die Zeilen und Takte durch. 2) Je nach eingestellter Schrittweite für Shift werden gestrichelte Linien gesetzt. Nachdem nach einigen Stunden der erste Begeisterungsanfall vorüber ist, lechzt der Komponist nach einem zweiten Takt. Intuitiverweise werden in TrakCom Zeilen mit der "Insert"-Taste eingefügt, entfernt werden sie mit "Delete". Drückt man zusätzlich Shift, wird eine größere Anzahl Linien auf einmal eingefügt oder entfernt; beim gleichzeitigen Drücken von "Control" gar eine noch größere. Diese beiden Schrittweiten (die auch in Verbindung mit den Pfeiltasten den Cursor große Sprünge machen lassen) sind frei einstellbar. Sinvoll für 4/4-Takt ist es, die Anzahl für Shift auf 8 und die Anzahl für Control auf 32 Zeilen zu legen. So kommt man mit Shift einen Schlag und mit Control einen Takt weiter. An der linken Seite des Sequenzers nummeriert TrakCom die Zeilen entsprechend dieser Einstellungen durch. Ein ganzes Lied besteht also aus einer ziemlich langen Liste. TrakCom kennt keine Untergliederung der Musik. Es ist also nicht möglich, eine Strophe und einen Refrain einzugeben, und dann die Reihenfolge Strophe-Strophe-Refrain-Strophe-Strophe-Refrain festzulegen. Stattdessen muß die Strophe jeweils zwei Mal hintereinanderkopiert werden. Dieses Konzept hat Vor- und Nachteile. Einerseits können so leichter Variationen eingebaut werden, andererseits wird ein Song auf diese Weise schnell sehr groß und dadurch etwas unübersichtlich. Aber bis jetzt ist der Song ja gerade zwei Takte lang und besteht nur aus Schlagzeug. Das befriedigt kaum das Ohr des durchschnittlichen Pop-Konsumenten. Zumindest eine Baßlinie muß noch her, womit wir bei den "Melodieinstrumenten" angelangt wären. (Diese werden im Gegensatz zu den Schlagzeug-Klängen auf verschiedenen Tonhöhen abgespielt. Natürlich ist das auch mit Schlagzeugsamples möglich.) Wie man einen Bass zerschneidet Einen schönen Baß, gespielt von Jens Würker @ K, finden wir auf der Pink Pills CD "Love, Peace & Happiness", zweites Lied. Also wird der Harddiskrecorder benutzt, um diese Baßlinie zu sampeln. Danach greift man sich einen besonders schönen Ton heraus und speichert diesen ab. In TrakCom selbst muß dieser Sample noch gestimmt werden, soll er mit anderen Instrumenten im harmonisch-süßen Zusammenspiel erklingen. Dazu stellt man im TrakCom-Sample-Editor die Tonhöhe ein, auf der der Baß erklingt. An weiteren Möglichkeiten bietet dieser Editor sehr wenig, aber schließlich ist das komplizierte Bearbeiten der Samples die Sache der Harddiskrecorder. Hier kann man nur den Start- und Endpunkt des Samples, dessen Tonhöhe, die Lautstärke und die Loop-Option einstellen. Macht man einen Sample per Häkchen zum Loop-Sample, wird er "unendlich" lange immer wieder ganz von vorne abgespielt, was beispielsweise für liegende Akkorde praktisch ist. weiter